„Kommunale Daseinsvorsorge aus der Perspektive älterer Menschen“

Unter diesem Thema stand die am 08.04.2017 in Glauchau stattgefundene Landessenior*innen Konferenz zu der die Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag eingeladen hatte.

Rico Gebhardt Fraktionsvorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag eröffnete die Konferenz und wies eindrücklich darauf hin , dass besonders für ältere Menschen die lokalen und sozialen Bedingungen vor Ort eine besondere Bedeutung haben. Unsere Menschen werden nicht nur älter, sie bleiben auch länger gesund und  fit. Die Lebenslagen und Lebensbedingungen sind in Sachsen unterschiedlich entsprechend muss die Politik reagieren.

Im Podium von links nach rechts: Rico Gebhardt, Simone Lüdtke, Susanne Schaper und Jörn Wunderlich

Der stellvertretende Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Glauchau, Andreas Salzwedel, betonte in seinem Grußwort, dass es in Sachsen mittlerweile 1 Millionen Bürgerinnen und Bürger leben, die 65 Jahre und älter sind. Deshalb gibt es nicht nur einen aktuellen Anlass über das Älterwerden in der Gesellschaft zu reden sondern vor allem über die Aufgaben, die in den unterschiedlichsten Bereichen von Gesellschaft, Staat und Politik damit verbunden und zu lösen sind.

Andreas Salzwedel, Stellvertretender Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Glauchau

Glauchau hat viel Potential und in den letzten Jahren wurde auch viel Neues geschaffen – was das Leben aller Generationen lebenswert macht. Hinsichtlich der kommunalen Verantwortung wies er darauf hin,  wenn man in der Kommunalpolitik tätig ist,  hat man die Bürgerin oder den Bürger mit seinem Anliegen immer vor oder hinter sich und das Ergebnis der Arbeit ist meist unmittelbar sichtbar. Ein Ausweichen geht nicht! Aber es gibt natürlich wie überall auch Probleme: Glauchau hat viel leerstehenden Wohnraum – aber zu wenig altersgerechte und barrierefreie Wohnungen. Immer mehr ziehen sich ÖPNV, Krankenversicherungen, Banken aber auch staatliche Einrichtungen und andere Einrichtungen aus der Fläche zurück. Davon sind besonders ältere Menschen betroffen und ihnen geht damit ganzes Stück Lebensqualität verloren. Deshalb ist die Aufgabe der Kommunen die Rahmenbedingungen zu schaffen damit die älteren Menschen selbstbestimmt ihre Lebenserfahrung in die gesellschaftliche Entwicklung einbringen können.

Im November 2016 wurde dem Bundestag nach heftigen und langem Drängen der Opposition durch die Bundesregierung der 7. Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland vorgelegt. Dieser stellt in dieser Legislatur die Sorge und die Mitverantwortung in der Kommune und damit den Aufbau und die Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften in den Mittelpunkt der Untersuchungen.

Dazu sprach das Mitglied des Deutschen Bundestages, Jörn Wunderlich, parlamentarischer Geschäftsführer und Senioren- und Familienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE.  Er machte deutlich, dass die neue Generation der Seniorinnen und Senioren sich von ihren Vorgängergenerationen deutlich unterscheidet – sie sind mobiler, sozial gut vernetzt, gesundheitlich und geistig fit und eine wichtige Stütze für die Familien und die Gesellschaft. Der ausgeprägte Wunsch der älteren Menschen ist es ein selbstbestimmtes und aktives Leben so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Und nirgendwo zeigen sich die demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen so deutlich, wie in den Kommunen, dort, wo Menschen wohnen, arbeiten und zusammenleben.

Mitglied des Deutschen Bundestages Jörn Wunderlich

Im 7. Altenbericht werden die Kommunen aufgefordert passgenaue Strukturen seniorengerecht auszubauen und zu entwickeln, um den älteren Menschen attraktive Lebensumfelder und Rahmenbedingungen für die Gewährleistung von Individualität, Selbstbestimmung und Lebensqualität zu bieten. In den Handlungsempfehlungen der Sachverständigen zum Bericht werden der Bund sowie die Länder aufgefordert, den Kommunen mehr Mitbestimmung einzuräumen. Dazu brauchen aus Sicht der LINKEN die Kommunen finanzielle Stabilität und Planungssicherheit. Qualitative Versorgungssicherheit darf nicht durch finanzielle Argumente in Frage gestellt werden. Es bedarf eines politischen Willens , weil für den Erfolg einer emanzipatorischen Seniorenpolitik engagierte Menschen entscheidend sind.

Simone Luedtke, seit 2008 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Borna mit dem Mandat für DIE LINKE, widmete sich in ihren Ausführungen zu dem Thema: „Alternde Gesellschaft in den Kommunen des ländlichen Raumes gemeinschaftlich gestalten“. Sie machte in ihren Ausführungen deutlich, dass 83 % der Sachsen im ländlichen Raum leben und ein großer Teil von ihnen 65 Jahre und älter ist. Zur  Meisterung dieser Herausforderung gehört ein aktiver Gestaltungswille aller Verantwortungsträger. Die gegenwärtige Entwicklungstendenz zeigt aber eine gegengesetzte und gefährliche Richtung: Dort wo die Anzahl der älteren Menschen steigt – sinken soziale Bedingungen und die soziale Infrastruktur. Damit verbunden ist eine „Landflucht“ auch älterer Menschen in die umliegenden Städte und damit das Aussterben ganzer Ortschaften vorprogrammiert. Eigentlich aber möchte die ältere Generation aber so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung und zu Hause leben. Um dies zu sichern wäre ein Förderprogramm zum ländlichen Wohnen im Alter dringend erforderlich.

Simone Luedtke, Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Borna

Susanne Schaper, Mitglied des Sächsischen Landtages und Stadträtin in Chemnitz  sprach aus der Sicht der Lebensqualität in deiner alternden Stadtgesellschaft. Auch die Großstädte sind von einer zunehmenden Alterung ihrer Menschen betroffen. Und die Bedürfnisse und Wünsche sind nicht von denen im ländlichen Raum zu unterscheiden. Auch in der Stadt ist die Frage des barrierefreien Wohnraumes, einer funktionierenden Infrastruktur, ein barrierefreier ÖPNV, erreichbare Begegnungsstätten und Zugang zur gesundheitlichen Versorgung eine zentrale Frage.

Susanne Schaper, Mitglied des Sächsischen Landtages

Was nicht zu unterschätzen ist – 80 % des Ehrenamtes wird von der Ü-60-Generation ausgeübt. Ein Potential das es zu erhalten gilt.

In der Diskussion mit den anwesenden Seniorinnen und Senioren wurde die u.a. Frage gestellt: Ist die Forderung nach gleichwertigen Lebensbedingungen für alle und überall noch realistisch oder gilt es zumindest Mindeststandards zu sichern und Sorge zu tragen, dass die vorhandene Infrastruktur erhalten bleibt. Auch der Wunsch nach Hausärzten die auch Hausbesuche machen wurde mehrfach geäußert und Forderung nach Änderung  des bisherigen System der Bedarfsplanung von Ärzten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte Elke Köhler, seit 1994 hauptamtliche Senioren- und Behindertenbeauftragte der Großen Kreisstadt Glauchau ihre Arbeit und die des Seniorenbeirates vor.

1999 wurde anläßlich des „Internationalen Jahres der Senioren“ in Glauchau ein Seniorenbeirat, der aus 10 Senioren der Stadt Glauchau und 2 Stadträten besteht, zu ihrer Unterstützung aber auch zur Unterstützung der Arbeit des Oberbürgermeisters und des Stadtrates, ins Leben gerufen. Seit 1994 gibt es jährlich im Monat Mai die „Glauchauer Seniorentage“ in denen über 3 Wochen unterschiedliche Aktivitäten und Veranstaltungen für ältere Menschen angeboten und zahlreich genutzt werden. Seit 2008 wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Galuchau und dem Seniorenbeirat ein Seniorenwegweiser herausgegeben.

rechts neben mir: Elke Köhler, Senioren- und Behindertenbeauftragte der Großen Kreisstadt Glauchauz

In Zusammenarbeit mit der Bertelsmannstiftung  wurde 2003 im Rahmen des Programms „Neues Altern in der Stadt“ ein Leitbild „Dialog der Generationen“ für die Seniorenarbeit in der Stadt Glauchau entwickelt, nach dem sich auch nach wie vor die Seniorenarbeit in der Stadt gestaltet.

Ich bedanke mich allen Referentinnen und Referenten und den Podiumsgästen für ihre interessanten Beitrage und Hinweise sowie bei allen anwesenden Seniorenvertreter*innen für die angeregte Diskussion. Danke an das Vorbereitungsteam und die Mitarbeiter*innen des „Deutschen Hauses“ für ihren hervorragenden Service.