Inklusiv Lernen – Herausforderungen und Erfolge an der Dittes-Grundschule in Wilkau-Haßlau

Am Vortag des europaweiten Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ging es auch bei unserem Vor-Ort-Termin um Inklusion. Inklusiv Lernen soll für alle Kinder möglich sein, so das erklärte Ziel. Doch geht das so einfach? Wo liegen die Herausforderungen und Probleme aber auch die Chancen?

vor Beginn des Rundgangs im Hof der Schule

Die Dittes-Grundschule in Wilkau-Haßlau gewährte uns einen Blick hinter die Kulissen. Dabei zeigte uns Direktorin Frau Martin nicht nur die Rosinen sondern verwies ganz bewusst und konkret auch auf die Dinge, die nicht so toll sind und wo Veränderungen wünschenswert sind. 150 Schülerinnen und Schüler besuchen die Dittes-Grundschule, darunter 12 mit besonderem Förderbedarf, eine Schülerin davon ist körperbehindert. Eines vorweg: bestehende Schulen, Gebäude barrierefrei umzubauen, ist immer eine besondere Herausforderung, entscheidet doch die Statik des Gebäudes darüber, was wie möglich ist. Das wurde auch in der Dittes-Schule deutlich.

Das Treppenhaus

Ein großes, helles Treppenhaus ist nur auf den ersten Blick perfekt für den Schulbetrieb. Denn Möglichkeiten für den Einbau eines Fahrstuhles bietet es nicht. Hier musste mit einiger Fantasie und Kompromissbereitschaft eine andere Lösung gefunden werden. Nun sind zwar alle Etagen mit dem Fahrstuhl erreichbar, allerdings nur über den Hintereingang der Schule. Das entspricht nicht den eigentlichen Zielen von Inklusion, ist aber im konkreten Fall nicht anders möglich. Viel schwieriger ist die Tatsache, dass die Turnhalle vom Schulgebäude aus nur über Treppen erreicht werden kann. Hier muss dringend eine Lösung geschaffen werden, denn dass die Assistenz der körperbehinderten Schülerin diese zum Sportunterricht in die Turnhalle tragen muss, ist auf Dauer nicht zumutbar. Zwar gibt es einen barrierefreien Zugang zur Turnhalle von Außen, jedoch gilt es dann wieder Stufen zu den Umkleidekabinen zu überwinden. Hier braucht es also dringend eine andere Lösung. Dieses gilt ebenso für den Schulhort direkt gegenüber der Grundschule. Dieser ist auf Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen überhaupt nicht eingerichtet. Damit hat die betreffende Schülerin nicht die Möglichkeit, nach der Schule mit ihren Freundinnen und Freunden aus der Schule zu spielen und die Hausaufgaben zu machen. Das ist schade, denn die Kleine ist sehr aufgeweckt und möchte auch selber alles tun, was die anderen auch tun und einfach mittendrin sein.

Das Musikzimmer mit vielen Möglichkeiten für die Kinder und Erweiterung zur Schulaula

Andere Probleme, die Frau Martin benannte, dürften sich an den meisten sächsischen Schulen aller Stufen wiederfinden. So sind derzeitig drei Lehrerinnen längerfristig krank, Vertretungslehrer gibt es jedoch nicht. Das hat zur Folge, dass eine Teilzeitkraft und auch die Direktorin und selbstredend auch die anderen Kolleginnen und Kollegen nun die Stunden mit übernehmen, eine Doppelbelastung für alle. Erschwerend kommt hinzu, dass eine der Erkrankten Klassenlehrerin einer ersten Klasse ist – eine schwierige Situation für Eltern, SchülerInnen und Lehrerkollektiv gleichermaßen. Dazu wird nächstes Jahr eine Lehrerin in Rente gehen, doch auch hier ist Ersatz nicht in Sicht. Denn die nächsten Absolventen gibt es erst im übernächsten Jahr. Hier ist dringender Handlungsbedarf geboten und Quereinsteiger alleine werden es nicht richten können. Einen Wunsch wollte Frau Martin noch äußern. Das neue Schulgesetz sieht ja Schulsozialarbeiter vor, allerdings erst ab den höheren Stufen. Sie wünscht sich Schulsozialarbeiter an allen Schulen, also auch an den Grundschulen. Denn auch hier gibt es Familien, die aus unterschiedlichen Gründen Hilfestellungen bedürfen.

Im Klassenzimmer - der Tisch wächst mit

Insgesamt hat mich der Besuch in der Dittes-Grundschule sehr beeindruckt. Alle Klassen sind mit Beamer, Laptop und interaktiven Tafeln ausgestattet – hier fehlt aktuell eine Wartungsfirma – auf jeder Etage gibt es ein behindertengerechte Toilette und bei der Gestaltung von Schulgebäude und Außenanlage wird überall das große Engagement von Lehrkräften wie Eltern gleichermaßen sichtbar. Beeindruckend auch, wohl sich die Schülerin, die uns während unseres Besuches begleitete und durchs Haus führte, in ihrer Grundschule fühlt. Hier zeigt sich, wie wichtig integratives Lernen ist und wie Kinder mit uns auch ohne Beeinträchtigungen voneinander lernen und profitieren können. Herzlichen Dank für den Einblick und weiter viel Erfolg!