„Auch Jerusalem hat Krallen“ – eine ganz normale Lesung!?

Im Rahmen der Novembertage, einer Veranstaltungsreihe des Zwickauer Demokratiebündnisses, war schon lange für den 28. November 2017 die Lesung „Auch Jerusalem hat Krallen“ im Kirchberger Bürgerbüro geplant. Und üblicherweise konzentrieren sich am Veranstaltungstag die Aktivitäten auf die Vorbereitung des Abends: Bestuhlung richten, für das abendliche Buffet einkaufen, die Platten anrichten und schließlich das Buffet aufbauen. Kurz, die Referenten und Gäste stehen im Mittelpunkt, sie sollen sich schließlich wohlfühlen bei uns. Gestern kam noch ein weiterer wichtiger Aspekt dazu, der sonst nicht so im Zentrum der Aufmerksamkeit steht: die Sicherheit der Veranstaltung und ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Warum? Nun, beim Eintreffen im Büro mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass unser Büro in Kirchberg nun schon zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen attackiert worden war. Waren es vor einer Woche noch Plakate der Partei „Der III. Weg“, hatten wir es nun mit Schmierereien an Hauswand und Fenstern zu tun.

Schmierereien an Fenster und Fassade

Der durchgestrichene Davidstern auf unserer Fensterscheibe legt nahe, dass die Attacke konkret auf unsere Veranstaltung zielte. Den geplanten Ablauf der Vorbereitungen brachte das schon durcheinander, aber die Nazis konnten die Veranstaltung nicht verhindern. Nachdem die Kripo-Beamten die Tat aufgenommen hatten und die Fenster gereinigt waren, liefen die üblichen Vorbereitungen an. Als die Gäste eintrafen, stand wie gewohnt das Buffet bereit.

Wir erlebten eine normale Lesung, die Einblick in die Erfahrungen und Eindrücke der Autorin Christin Löchner gewährte. Die hat sie während ihres Studienaufenthalts in Israel gewonnen. Ein interessanter Abend, der einige Gäste animierte, von ihren Eindrücken bei Aufenthalten in Israel und Jerusalem zu berichten. Individueller Austausch ergab sich im Anschluss an die Lesung – letztlich also alles wie immer. Die Atmosphäre war entspannt, unsere Gäste haben sich wohl gefühlt und sind mit vielfältigen Eindrücken nach Hause gegangen. Es war ein gelungener Abend!

Eine Bemerkung sei mir an dieser Stelle gestattet: Niemand muss unsere Meinung gut finden oder teilen. Man kann unsere Positionen, ja sogar uns, aus vollem Herzen ablehnen. Aber das kann man uns auch gern direkt sagen, und im besten Fall sogar noch, warum das so ist. Dann gibt es eine Grundlage für den Meinungsaustausch, für einen politischen, inhaltlichen Diskurs. Übergriffe auf Büros aber verhindern das. Wir sind als Ansprechpartner vor Ort, wir sind mindestens zweimal im Jahr mit Infoständen und öffentlichen Bürgersprechstunden in der Region unterwegs, auch auf dem Wochenmarkt in Kirchberg. Es gibt also Gelegenheit, uns mitzuteilen, wo der Schuh drückt, was man teilt und was eben nicht.