Offene Tagung des Behindertenbeauftragten der Sächsischen Staatsregierung

Nach dem vor einem Monat die Wanderausstellung „Behindern verhindern – Zeit für barrierefreies Handeln“ eröffnet wurde, folgte am 5. März 2018 ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Bereits zum 7. Mal lud der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Stephan Pöhler, zur „Offenen Tagung“, die in diesem Jahr unter dem Motto „Gesellschaftliche Partizipation“ stand.

Der Einladung in die Räume der Kreuzkirche Dresden waren über 100 Gäste aus Verbänden, Politik und Verwaltung sowie zahlreiche betroffene Einzelpersonen gefolgt. Gemeinsam hatten wir die Gelegenheit, bereits am Vormittag erste Einblicke in die Thematik zu erlangen. Renommierte Referenten sorgten dabei mit ihren Vorträgen für Neugier auf die Podiumsdiskussion am Nachmittag. Es ging um politische und gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen, barrierefreie Lebenswelten sowie aktuelle Praxisbeispiele Betroffener.

mit Birger Höhn, Autor von „Auf dem Weg zu mir selbst – Innenansichten eines Menschen mit Autismus“

Um es mal zu verdeutlichen: Wie oft sind es Menschen mit Behinderungen selbst, die an prominenter Stelle in der Politik für die Belange Behinderter streiten (können)? Wir oft stoßen Menschen mit Beeinträchtigungen auf Unverständnis, wenn sie Wege aus der Behindertenwerkstatt suchen oder in ehrenamtlichen Bereichen tätig werden wollen, vielleicht sogar dabei Verantwortung auch für andere übernehmen wollen? Wie oft ertappen wir uns selber bei der Frage, ob der Mensch uns gegenüber den damit verbundenen Herausforderungen gewachsen ist – eine Frage, die wir uns bei einem Menschen ohne Beeinträchtigung vermutlich nie stellen würden? Bei der Betrachtung dieser Frage zeigt sich, was auch auf der Tagung deutlich wurde: die größten Barrieren bestehen in den Köpfen. Daher, so Pöhler in seinem Resümee: „brauchen wir Strukturen, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, von Anfang an und in vollem Umfang an der Gesellschaft teilzuhaben. Es gibt hierfür keine Standartlösungen. Die Schaffung einer inklusiven Gesellschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht nur Aufgabe der Politik. Es gilt alle an diesem Prozess zu beteiligen.“

Stephan Köhler, Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen

Und vielleicht wäre es ja an so mancher Stelle hilfreich, die Dinge umzudrehen. Barrierefrei nicht als „besondere Maßnahme für Menschen mit Behinderungen“ zu begreifen sondern zum Standard für alle zu erheben. Neubauten – ob öffentlich oder Wohnraum – könnten standardmäßig barrierefrei gestaltet sein, was die DIN-Vorschriften beispielsweise für Türen usw. verändern würde. Barrierefreies Bauen wäre dann nicht mehr die teurere Alternative sondern die Regel und somit ebenso günstig wie die heutigen Standardmaße. Das ist aus meiner Sicht nur ein Beispiel, wie mit einem grundlegenden Umdenken einiges getan werden könnte, um nachhaltig für alle barrierefreie Lebenswelten zu schaffen. Die Barrieren in den Köpfen zu beseitigen ist hierfür der erste und wichtigste Schritt. Packen wir es an!