„Zwickau ist nicht braun sondern bunt“

Meine Mitarbeiterin Simone Hock war in die Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit und Hetze am 22. September 2018 in Zwickau eingebunden. Hier ihr Bericht:

So lautete das Motto der Veranstaltungen auf dem Neumarkt, die am 22. September in Zwickau gegen rassistische Hetze durch die Bürgeroffensive für Deutschland (BoD) auf vielfältige Weise protestierten.

„Antifa meets Mitte – Zwickau ist nicht braun sondern bunt“

Seit geraumer Zeit ist der Zwickauer Neumarkt Treffpunkt für junge Menschen unterschiedlicher Nationalität. Es wird Musik gehört, geredet und auch gestritten und so mancher mit unehrlichen Absichten hat sich den Neumarkt ebenfalls als geeigneten Ort für sein Treiben ausgesucht. Wo Menschen aufeinandertreffen, kann es Probleme geben. In der Rede meines Beiratskollegen Wolfgang Wetzel, die ich in Vertretung halten durfte, heißt es dazu: „Die Probleme hier am Zwickauer Neumarkt sind komplex. Die Ruhestörungen, die von Anwohnern beklagt werden, haben auch – aber längst nicht nur! – mit migrantischen Strukturen zu tun. Und die sogenannten migrantischen Strukturen wiederum haben längst nicht nur etwas mit den Flüchtlingen zu tun, die 2015 in unsere Stadt gekommen sind. Kommunalpolitisch verantwortungsvoll solche Probleme anzugehen bedeutet, dass es nicht um das vorschnelle Brandmarken von Sündenböcken gehen darf. Damit würden vielleicht Rachegelüste von Teilen der Bevölkerung befriedigt, aber keine Probleme gelöst. Moderne polizeiliche Strategien zielen ebenfalls nicht darauf ab, Ordnungswidrigkeiten und Kleinkriminalität mit brachialer Gewalt lediglich von einem Stadtteil in den nächsten zu vertreiben. Die Probleme hier am Neumarkt nicht zu tabuisieren, sondern öffentlich zu diskutieren, ist in einer freien, demokratischen Gesellschaft normal. Presse und Medien berichten deshalb darüber; Kommunalpolitik, Polizei, Behörden und Sozialarbeiter sind längst tätig.“

Kunstaktion: Bunte Schirme schützen das Grundgesetz

Die BoD nun hatte die Situation auf dem Neumarkt zu ihrem Thema gemacht und den Neumarkt zur „No-go-Area“ erklärt. Sie dient einmal mehr für rassistische Hetze gegen Migranten. Genau das wollten wir, ein zivilgesellschaftliches Bündnis in Zwickau, nicht so stehen lassen. Gemeinsam mit den Akteuren von „Zwickau zeigt Herz“, dem Theater Plauen-Zwickau, Puppentheater, Robert-Schumann-Haus, Mondstaubtheater und verschiedenen Bands entstand ein buntes Programm.

Judy Winter vom Theater Plauen-Zwickau

Was mich besonders gefreut hat: Wir wurden gerade durch die Kulturschaffenden der Stadt, die ja selbst in ihren Ensembles mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zusammenarbeiten, unterstützt. Besonders beeindruckend fand ich Cohens „Hallejula„, gesungen von Judy Winter und dem Ensemble des Theaters. Zu den Gästen unserer Veranstaltung gehörten Stadträte aller demokratischer Fraktionen sowie unsere OB Dr. Pia Findeiß. Schön auch die flankierende Aktion der „Sternendekorateure“, die an einem Teil der Marschroute der BoD-Demo Schirme in Regenbogenfarben aufhingen. Darunter waren verschiedene Artikel unseres Grundgesetzes aufgehängt – so als kleine Weiterbildung, für welche Werte wir stehen. Mehr als 250 Menschen kamen zu unserer Veranstaltung, dazu kamen noch verschiedene Zuschauer an den Fenstern der umliegenden Häuser. Interessant und aufschlussreich waren die Einblicke, die AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber gab darüber, wie die AfD arbeitet und ihre Hetze betreibt. Hier kann ihr Redebeitrag nachgehört werden.

Unterstützung gab es auch vom gebürtigen Zwickauer Geiger Elin Kolev, der längst auf internationalen Bühnen zuhause ist.

Parallel und gleich nebenan fanden sich ebenfalls zahlreiche Menschen zusammen, die mittels einer antifaschistischen Demonstration ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und rassistische Hetze setzen wollten. „Antifa meets Mitte“, so hatten wir es in unserem Plakat formuliert und ich denke, es war eine gute Sache, die vielleicht auch bei dem einen oder anderen Vorbehalte gegenüber der jeweils anderen Aktionsform abbauen half. Mit insgesamt rund 500 Teilnehmenden bei beiden Veranstaltungen waren wir mehr als bei früheren Veranstaltungen.

In Zwickau lebende Muslime mit einem klaren Bekenntnis für ein friedliches und tolerates Miteinander!

Abschließend möchte ich noch mal meinen Beiratskollegen zitieren: „Lasst ihn uns mit Leben füllen und dem unsachlichen Schlechtgerede als Bürger und Konsumenten entgegentreten. Verlagern wir ganz bewusst unsere Einkäufe hierher – für all das, was es eben am Neumarkt zu kaufen gibt. Lasst uns den Neumarkt auch häufiger am Abend besuchen und in den Lokalen einkehren. Ein belebter Platz wird unattraktiv für zwielichtige Gestalten. Lassen wir nicht zu, dass der Zwickauer Neumarkt missbraucht wird als fadenscheinige Begründung für das Schüren von Hass, Angst und Fremdenfeindlichkeit!“

In diesem Sinne sollten wir überall die Plätze mit Leben füllen und sie mitsamt den vielleicht vorhandenen Herausforderungen nicht jenen überlassen, die Hetze betreiben.

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