„FB & Co. – Sargnägel der Demokratie?“

So lautete der Titel einer Veranstaltung mit dem Journalisten Christian Gesellmann am 2. Mai 2019 im Martin-Luther-King-Zentrum in Werdau.

Wer in sozialen Netzwerken unterwegs kennt das: in den Kommentarspalten der Medien tummeln sich viel zu oft unsachlich pöbelnde Leute, die eine Diskussion schier unmöglich machen, Beschimpfungen, Verleumdungen, Verunglimpfungen bis hin zu Drohungen sind gang und gäbe. Und auch in manchen Gruppen ist das Klima, vorsichtig formuliert, alles andere als für sachliche Diskussionen geeignet. Bisweilen hat man den Eindruck, dass menschenfeindliche und demokratiefeindliche Positionen die Kommentarspalten beherrschen, entsprechende Akteure die Mehrheit stellen. Doch ist das wirklich so? Inzwischen ist bekannt, dass rechtsextreme Strukturen gut organisiert sind und Leute für spezielle FB-Einsatzkommandos castet. Das sind dann Leute, die gezielt in Kommentarspalten den Eindruck vermitteln, menschenfeindliche und demokratiefeindliche Positionen seien mehrheitsfähig. Sie greifen dabei nicht nur unliebsame Positionen an sondern vor allem auch Personen, bedrohen diese oder machen sie lächerlich mit dem Ziel, dass andere sich nicht mehr trauen mit zu kommentieren. Doch dem kann man entgegenwirken, in dem man sich selber Mittreiter sucht oder andere unterstützt, die gerade Ziel solcher virtueller Angriffe sind. Das passiert organisiert etwa durch den Verein „Ich bin hier“, dessen Mitglieder unter gleichnamigen Hashtag in den Kommentarspalten vor allem der Medien gegen rechte Hetze und Menschenfeindlichkeit mit Fakten und Debattenkultur gegenhalten. Man kann das aber auch im Kleinen selber machen, etwa auf den Profilen von Freunden, wo sich gerade Menschenfeinde austoben. Oft hilft da schon ein Like, um zu unterstützen. Doch genau das ist wichtig – wie ich nicht nur aus der Veranstaltung sondern aus eigenem Erleben weiß.

Martin Böttger vom Martin-Luther-King-Zentrum bei der Eröffnung

Doch Facebook und co sind nicht nur Spielwiese für menschen- und demokratiefeindliche Positionen. Facebook ermöglicht es vielen tausend Menschen sich zu vernetzen und auszutauschen, wie das im realen Leben niemals möglich wäre. Für Journalisten stellt Facebook ein unbezahlbares Recherche- und Vernetzungstool dar, über das man Informationen bekommt und gleichzeitig eigene Arbeiten verbreiten kann. In Diktaturen ermöglicht es unabhängigen Journalisten die Arbeit, was für diese gleichzeitig lebensgefährlich sein kann.

Chritian Gesellmann

Zusammengefasst kann man sagen, Facebook und Co haben Vor- und Nachteile und fordern von den Nutzern eine gewisse Medienkompetenz, die bisher oft zu wünschen übrig lässt. Wichtig wäre ein entsprechendes Schulfach, damit unsere Kinder bereits entsprechende Fähigkeiten erwerben. Doch ebenso wichtig sind entsprechende Angebote im Erwachsenenalter, damit viel mehr Menschen durchschauen, was Populisten, insbesondere Rechtspopulisten und Rechtsradikale da mit ihren Kampagnen bezwecken und seriöse von unseriösen Medien unterscheiden können. Und ganz prinzipiell gilt: Facebook und co sind mit einer stabilen Zivilgesellschaft keine Gefahr für die Demokratie. Wie immer gilt auch hier: nicht einschüchtern lassen, Mitstreiter suchen und Hassreden und menschenfeindlicher Hetze entgegentreten!

 

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