Yom Hashoah – Gedenktag für die Opfer der Shoah und den jüdischen Widerstand

Am 2. Mai 2019 ertönten in Israel für zwei Minuten die Sirenen, die Menschen blieben stehen, fuhren ihre Autos an die Seite und stiegen aus. Sie hielten inne, das ganze Land stand für diese zwei Minuten still und gedachte der 6 Millionen Opfer der Shoah und dem jüdischen Widerstand. Schaut man sich das Video an, so hat das etwas Beklemmendes zu sehen, wie plötzlich alles still steht. So anders ist das Gedenken in Israel als hier.

Gedenkort in der Zwickauer Katharinenstraße. Hier stand bis 1938 eine Synagoge.

Auch in Zwickau gedachten am 2. Mai vor dem in den Boden eingelassenen Davidstern in der Katharinenstraße der während der Nazidiktatur von 1933 bis 1945 ermordeten Juden. Gleichzeitig gehen laut schwatzend Passanten vorüber, spielt keine fünf Meter entfernt ein Vater mit seinen Kindern. Kein Innehalten, kein pietätvolles leiser werden. Ich weiß nicht, was dahinter steckt – Unwissenheit, Gleichgültigkeit? Doch es macht mich betroffen und auch ein wenig ärgerlich angesichts gleichzeitig steigender Fälle von Antisemitismus in unserem Land. Und nein, es geht nicht darum, dass heutige Generationen sich schuldig fühlen sollen für die Geschichte. Sie sollen und müssen die Verantwortung spüren, dass antisemitische Hetze und jede andere menschenfeindliche Hetze nicht alltagstauglich werden darf, dass Menschen nicht wegen ihrer Herkunft, Nationalität oder ihren Glauben ausgegrenzt, benachteiligt oder verfolgt werden dürfen. Doch all das passiert wieder in Deutschland, es gehört längst wieder zum Alltag – egal ob es gegen Muslime geht oder gegen Juden in Deutschland, die schon wieder das Gefühl haben, gehen zu müssen.

Klaus Appel (ehem. Pfarrer) bei der Gedenkrede

Wer nun sagt, der Islam predigt Antisemitismus und dieser kam mit den Flüchtlingen, macht es sich zu einfach. Denn Antisemitismus war in Deutschland nie weg, nur wurde er nicht offen geäußert. Inzwischen scheint es aber wieder „normal“ zu sein, zum Boykott gegen Israel/israelische Produkte aufzurufen und Juden auf offener Straße zu attackieren. Die Täter kommen aus dem Umfeld der extremen Rechten aber auch der extremen Linken und von Menschen aus dem arabischen Raum. Die Täter sind ein Problem. Doch das viel größere Problem sehe ich in jenen Menschen, die Hetze gegen andere gerade auch ob ihres Glaubens unwidersprochen lassen, die wegsehen, weil es ja einen selbst nicht betrifft. Die schweigende Mehrheit macht es erst möglich, dass Antisemiten, Rassisten und andere Hetzer scheinbar die Mehrheit vertreten.

Und deshalb ist es mir wichtig, an solchen Gedenkveranstaltungen teilzunehmen, die Erinnerung an die Geschichte wach zu halten. Denn unsere Generation hat Verantwortung! – Nicht die Verantwortung für die Taten unserer Großeltern wohl aber dafür, dass menschenfeindliche Parolen und Positionen in unserem Land nie wieder die Macht übernehmen!

 

 

 

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