Auf den Spuren der Barrierefreiheit in Bautzen

Am 19. Juli 2019 war ich auf den Spuren zur Barrierefreiheit in Bautzen. Mit dabei waren Vertreter des Sozialverbandes VdK Sachsen e. V., des Landratsamtes Bautzen. An diesem Tag wurden während eines Stadtrundganges gelungene Beispiele zum barrierefreien Bauen gezeigt und gleichfalls auf weiteren Handlungsbedarf hingewiesen. Ziel der Veranstaltung war es, das Landratsamt Bautzen bei Lösungen von Problemen zu unterstützen, um die scheinbare Gegensätzlichkeit von Barrierefreiheit, Denkmalschutz, Verkehr und Gewerbetreibenden in Einklang zu bringen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Herrn Gert Rolle, Vorsitzender des KV Bautzen im Sozialverband VdK Sachsen e.V. und mir als Vizepräsidenten des Sächsischen Landtages im Gewandhaus der Stadt Bautzen. Nach der Begrüßung aller Teilnehmer (Baubürgermeisterin, Mitarbeiter des Denkmalschutzes, Bauaufsichtsbehörde, Denkmalschutz und Stadtverwaltung Bautzen, Vertreter des Blinden- und Sehbehindertenverbandes und des Beratungszentrum für Barrierefreies Planen und Bauen in Sachsen) wurde der anschließende Stadtrundgang grob erläutert.

 

 

Als erstes haben wir uns den Neubau eines Seniorenheims auf der Heringstraße angeschaut. Nicht unproblematisch bei diesem Bau ist die geografische Lage – in der Umgebung befindet sich ausschließlich Kopfsteinpflaster, es ist hüglig und die Fußwege sind zugestellt. Es wird für die künftig in diesem Heim lebenden Seniorinnen und Senioren äußerst schwierig werden, vor die Türen des Heimes treten zu können.

 

Die Stadtbibliothek ist für Rollstuhlfahrer zwar erreichbar, aber es gibt keinen Behindertenparkplatz vor dem Gebäude. Eine Verbesserung dieser Situation möchte die Baubürgermeisterin durch ihre Behörde prüfen lassen. Eine Mitarbeiterin der Stadtbibliothek erzählte uns, dass die Bibliothek im Kontakt mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig steht, um für blinde und sehbehinderte Menschen entsprechende Literatur bereitstellen zu können.

Generell ist die Begehbarkeit der Altstadt Bautzen für gehbehinderte Menschen schwierig. Es fehlt oft an Querungen von Fußweg zu Fußweg, fehlende Bordsteinabsenkungen oder Absätze. Die Stadt Bautzen erarbeitet derzeit ein Fußgängerkonzept für die Innenstadt. Hier wird auf die spezifischen Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen zu achten sein.

  

Vertreter des Blinden- und Sehbehindertenverbandes stellten für den Stadtrundgang auf Bitte einen Brillenkoffer mit den üblichen Sehbeeinträchtigungen bereit. So konnten sich alle Teilnehmer vorstellen, wie es ist, bspw. mit grünem Star zu sehen. Wichtig für sehbeeinträchtigte Menschen sind z. B. eine kontrastreiche Kennzeichnung von Glasflächen, Baustellenzäunen, Pollern und Aufmerksamkeitsfelder vor und nach einer Treppe. Hier muss die Stadt Bautzen noch handeln.

Es gibt in der Innenstadt zwar „ausgewiesene“ Behindertenparkplätze, diese entsprechen aber nicht der DIN. Weder die vorgeschriebenen Maße sind eingehalten, noch wurden diese sinnvoll angelegt, um bspw. kurze Wege zu bestimmten Einrichtungen zu haben.

Es sind barrierefreie öffentliche Toiletten in der Innenstadt vorhanden und nutzbar, wenngleich auch Abweichungen zur DIN festgestellt wurden.

    

Bei dem Besuch in der Touristikinformation ist aufgefallen, dass der Tresen im Servicebereich viel zu hoch ist. Dieser muss im Bereich mit Kundenkontakt herabgesetzt werden. Positiv zu erwähnen ist der in Eigenregie durch die Touristikinformation erstellte Wegweiser „Barrierefrei durch Bautzen“. Hier wurde verabredet, dass sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem Tourismusbüro, dem VdK und der Stadtverwaltung Bautzen und weiteren Behindertenverbänden, bildet und das Informationsmaterial ergänzt bzw. neu gestaltet.

Bei der anschließenden Auswertung waren auch Vertreter des Gehörlosenverbandes anwesend. Die Stadt Bautzen wird weiterhin im engen Kontakt mit dem VdK, KV Bautzen, bleiben und mit deren Unterstützung an den festgestellten Handlungsbedarfen arbeiten.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken. Ich wünsche schon jetzt viel Erfolg bei der Umsetzung der Maßnahmen für ein barrierefreies Bautzen. Da natürlich auch die Belange des Denkmalschutzes zu beachten und in Einklang mit den Vorgaben der UN-BRK zu bringen sind, hat es mich besonders gefreut, dass auch der Denkmalschutz selbst bei der Tour dabei war – zumal auch noch mit einem Vertreter für den Barrierefreiheit genauso elementar ist wie für mich.

Dem VdK KV Bautzen, namentlich Herrn Rolle, danke ich für die Initiative und für dieses außerordentliche Engagement. Weiter so!